Wintergetreide Herbizideinsatz, sicherer und flexibler im Herbst

Die Unkrautbehandlung im Herbst ist der Standard bei Wintergerste und bringt auch viele Vorteile bei früh gebautem Weizen, Roggen und Triticale. In der Regel sind Unkräuter und Ungräser (Windhalm, Ackerfuchsschwanz) im jungen Entwicklungsstadium (Zweiblatt) leichter und sicherer bekämpfbar und die Konkurrenz ist bereits im Herbst ausgeschaltet. Arbeitstechnisch können stressige Spitzenzeiten im Frühjahr vermieden werden.

am 07.09.2020
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Kleinere Unkräuter und -gräser, andere Wirkstoffe

In Wintergerste und früh gebauten Weizen-, Roggen- und Triticalebeständen laufen in der Regel die Herbstkeimer mit auf und erreichen eine beachtliche Größe. Einerseits kommt es schon im Herbst zu Konkurrenz um Standraum, Wasser und Nährstoffe, andererseits sind diese Unkräuter und vor allem Ungräser im Frühjahr deutlich schwerer zu kontrollieren. Im Herbst befindet sich die Unkrautkonkurrenz im frühen, leichter bekämpfbaren Jugendstadium und es stehen Herbizide mit anderen Wirkmechanismen zur Verfügung, die einer Resistenzbildung entgegenwirken. Je nach Wirkstoff, werden die Anwendungen im Vorauflauf, frühen Nachauflauf (sobald die Reihen sichtbar sind) oder im Nachauflauf (ab dem 3 Blattstadium) bei blattaktiven Produkten durchgeführt.

 

Blattläuse und Zikaden mitbekämpfen

Bei den Nachauflaufprodukten können durch Zusatz eines Insektizides in einer Überfahrt auch virusübertragende Blattläuse oder Zikaden miterfasst werden. Jetzt, nach Wegfall der insektiziden Beizen, ist diese Maßnahme besonders wichtig. Bei lange anhaltender schöner Herbstwitterung müssen die Bestände weiter beobachtet werden (ev. mit Gelbfallen) und gegebenenfalls die Insektizidbehandlungen wiederholt werden. Gelbverzwergung bei Gerste und Weizen hat ein enormes Schadpotenzial und kann nur durch Vektorkontrolle vermieden werden.

 

Praxistipp - Jugendentwicklung fördern, Winterhärte verbessern

Bei Herbizidanwendungen im 3-Blattstadium, wenn bereits genug Blattmasse beim Getreide vorhanden ist, kann gezielt ein Blattdünger zugesetzt werden, der die Jungpflanzenentwicklung fördert und sich positiv auf die Winterfestigkeit des Bestandes auswirkt. Zum Beispiel kann durch den Zusatz von 1,5 l Wuxal Combi B Plus/ha (Bor, Mangan, Molybdän, Schwefel) ab dem 3.Blatt-Stadium die Jugendentwicklung des Getreides gefördert und die Winterhärte verbessert werden.

 

Arbeitsspitzen im Frühjahr brechen

Im Frühjahr, wenn Anbau der Frühjahrskulturen, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen gleichzeitig anstehen, kommt es bei schwieriger Witterung zu Arbeitsspitzen. Manche Maßnahmen können dann nicht zeitgerecht durchgeführt werden, Unkräuter und –gräser konkurrieren das Getreide und werden nicht mehr voll erfasst. Das kann durch die Unkrautkorrektur im Herbst vermieden werden. In der Regel sind dann im Frühjahr nur noch Klettenlabkraut und Wurzelunkräuter zu korrigieren. Diese Anwendungen werden etwas später durchgeführt.

In Summe kommt der Unkrautbekämpfung im Herbst eine immer größere Bedeutung zu. Früher Anbau und klimatische Änderungen machen diesen Trend notwendig. Innovative Landwirte haben die Vorteile bereits erkannt und sind die Vorreiter für ihre Berufskollegen.