Rhynchosporium - Blattfleckenkrankheit
Rhynchosporium secalis
Erste Symptome können bei Wintergerste schon 4 - 6 Tage nach dem Auflaufen sichtbar werden. An den Spitzen der Koleoptilen sind wäßrige Flecken zu erkennen, stark befallene junge Blätter welken und sterben ab.
Im Frühjahr entstehen auf den Blattspreiten, häufig auch in der Blattachsel, 1 - 2 cm lange wäßrig-blaugrüne Flecken, die von der Mitte her vertrocknen und dann grauweiß wirken. Die ovalen oder unregelmäßigen Flecken sind durch einen dunkelbraunen bis purpurroten Rand scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt. Mehrere Flecken können miteinander verschmelzen. Schließlich vergilbt das gesamte Blatt und stirbt vorzeitig ab. Nach Blattachselinfektionen knicken oft noch weitgehend grüne Blattspreiten ab. Bei Roggen und Triticale fehlt die dunkle Randzone.
Die Symptome treten vor allem an den unteren Blättern auf, doch kann sogar die Ähre befallen sein. Auf den Spelzen finden sich dann 5 mm große helle Flecken, schwach rot bis dunkelbraun gesäumt. Befallene Grannen färben sich dunkel.
Bekämpfungsschwelle:
50 % befallene Blätter
EC 31 - 37 auf F-4
EC 39 - 49 auf F-3
und Befallsbeginn auf nächsthöherer Blattetage
Rhynchosporium secalis kommt vor allem auf Gerste vor; auf Wintergerste i.d.R. stärker als auf Sommergerste. Aber auch auf Roggen, Triticale, Quecke und anderen Gräserarten werden befallen.
Erstinfektionen gehen von Ruhemyzel in Blättern und Körnern aus. Bei der Keimung bildet es Konidien, die die Koleoptilen infizieren. Saatgutbürtige Infektionen werden durch flache Saat und mäßig feuchten, nicht zu warmen Boden (Optimum 16 °C) begünstigt, während rasche Keimung bei höheren Temperaturen sie verhindert.
Sekundärinfektionen kommen nur durch regenspritzerverbreitete Konidien zustande. R. secalis ist also ein standortgebundener Erreger. Nach der Keimung breiten sich die Hyphen zunächst unter der Kutikula in Richtung Blattbasis aus, später auch in den Mesophyllzellen, die sie durch Toxine abtöten. Schließlich werden neue Sporen gebildet, und zwar sowohl in den abgestorbenen Gewebezonen als auch in den angrenzenden, noch gesund aussehenden Blattabschnitten. Zur Sporulation kommt es stets nur auf jener Blattseite, auf der auch die Infektion erfolgt ist.
Die Rhynchosporium-Vermehrung beginnt bei Temperaturen um 4 °C; das Optimum liegt bei 15 - 20 °C. Für die Bildung der Konidien ist eine Blattbefeuchtung über mehr als 140 Gradstunden (z. B. bei 10 °C über 14 Stunden) nötig. Kurze großtropfige Regenschauer begünstigen ihre Verbreitung, und Infektionen kommen bei weiterer Blattnässe über mindestens 100 Gradstunden zustande. Erste Krankheitssymptome erscheinen bei Gerste etwa 190 Gradtage nach einer Infektion. Bei relativ niedrigen Temperaturen wird Roggen schneller als Gerste befallen.
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