Netzfleckenkrankheit der Gerste
Drechslera teres
Infektionen durch das Pilzgeflecht in der Samenschale zeigen sich nur auf Koleoptile und Primärblatt als graugrüne, später dunkelbraune Streifensymptome. Das Blatt ist an der Befallsstelle eingeschnürt, vergilbt von der Spitze her und stirbt frühzeitig ab. Nach sekundären Infektionen entwickeln sich auf den Blättern längliche Aufhellungen mit einem braunen Netzmuster, seitlich von den Blattadern begrenzt. Später verfärben sich diese Blattflecke einheitlich dunkelbraun, so daß die typische Netzzeichnung verloren geht. Stets bleiben sie von einem gelben Hof umgeben. Die Flecken dehnen sich in Längsrichtung aus, fließen zusammen und bilden längere Streifensymptome. Bei anfälligen Sorten stirbt die gesamte Blattspreite ab.
Auf den oberen Blattetagen können bei ungünstigen Witterungsbedingungen und auf teilresistenten Sorten auch atypische Blattflecke entstehen. Befall mit dem weniger verbreiteten Spot-Typ verursacht ebenfalls dunkelbraune elliptische Verbräunungen, umgeben von einem chlorotischen Hof. Eine sichere Diagnose ist nur möglich, wenn auf abgestorbenen Gewebeteilen die meist einzeln stehenden Konidienträger mit den Konidien des Erregers gefunden werden (Lupe mit mindestens 30facher Vergrößerung).
Bekämpfungsschwelle:
Befall auf 20 % der Blätter
EC 31 - 37 auf F-4 oder F-3
EC 39 - 49 auf F-3 oder F-2
Die Hauptwirtspflanze ist Gerste. Gelegentlich wird der Schadpilz auch auf Weizen, Hafer und einigen Gräsern gefunden.
Der Schadpilz bildet auf Strohresten auf der Bodenoberfläche sowie auf Ausfallgerste unter feuchtwarmen Bedingungen seine windverbreiteten Konidien. Ebenso kann Sommergerste von benachbarten Wintergerstenbeständen befallen werden. Im Winterhalbjahr entsteht auf den Ernterückständen darüber hinaus die Hauptfruchtform des Erregers, die ihre Ascosporen wegen der schleimigen Umhüllung nur wenige Zentimenter ausschleudert. Erstbefall kann schließlich auch von verseuchtem Saatgut ausgehen.
Für die Primärinfektion der Keimpflanze sind niedrige Bodentemperaturen (3 - 10 °C) und/oder trockene Auflaufbedingungen förderlich. Konidien für sekundäre Ausbreitung entwickeln sich stets nur auf abgestorbenen Gewebeteilen, optimal bei 12 - 18 °C und Feuchtigkeit. In offenen, dünn stehenden Beständen ist mit günstigen Voraussetzungen für die Konidienbildung zu rechnen. Die Konidiosporenablösung und -verbreitung erfolgen nach einem starken Abfall der relativen Luftfeuchte (meist in den Mittagsstunden warmer Tage) bei mittleren Windgeschwindigkeiten (ca. 3 m/sec.). Nachfolgende Infektionen setzen dann Blattbenetzung über mindestens 100 Gradstunden voraus, bei 13 °C also über mindestens 8 Stunden. Blattnässe begünstigt die Ausbreitung.
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