Helminthosporium - Blattdürre des Weizens, HTR, DTR

Drechslera tritici repentis, Pyrenophora tritici repentis

Häufig übersieht man die Primärinfektionen, die nur im April und Mai von Strohresten auf der Bodenoberfläche durch Ascosporen aus kleinen schwarzen Fruchtkörpern (Pseudothezien) ausgehen: Es sind rundliche, gleichmäßig hellbraun gefärbte Flecken auf bodennahen Blättern.

Charakteristisch sind erst die Sekundärinfektionen durch die Konidiosporen: Es bilden sich zuerst dunkelbraune Infektionspunkte, auf einzelnen Sorten auch dunkelbraune Ringsymptome mit 3 mm Durchmesser. Darum herum entsteht - bedingt durch die Toxine des Pilzes - ein gelber Hof. Die Befallsstellen wandeln sich dann in Nekrosen um, in denen die dunklen Infektionszentren noch lange erhalten bleiben. In diesen Blattnekrosen können auf Konidienträgern neue Konidiosporen gebildet werden. Das Endstadium der Erkrankung ist schließlich eine von der Blattspitze her fortschreitende Blattdürre. Die Blattachsel bleibt allerdings - anders als bei Septoria nodorum - lange nahezu befallsfrei.

Ährenbefallssymptome findet man nur selten. Einige wenige dunkelbraune Punkte von höchstens 2 mm Länge und 1 mm Breite auf den Hüllspelzen zeigen starken Infektionsdruck durch HTR an. Diese Befallszeichen entstehen schon in der frühen Kornbildungsphase und verändern ihre Größe bis zur Reife nicht mehr. Den mit HTR verseuchten Weizenkörnern ist der Befall äußerlich nicht anzusehen. Typische Symptome eines Keimlingsbefalls sind vereinzelt bis zu 2 mm lange strichförmige Verbräunungen auf der Koleoptile.



Bekämpfungsschwelle:

Sporulation auf 5 % der Blätter

EC 33 - 47 auf F-5 oder F-4

EC 49 - 59 auf F-4 oder F-3

 

H. tritici-repentis (HTR) kommt in erster Linie auf Weizen, auch Durumweizen vor. Daneben sind auch Triticale und Roggen gegenüber HTR empfindlich. Unter den Schadgräsern gelten besonders die Quecke und die Wehrlose Trespe als weitere Wirtspflanzen; ein Befall wurde auf insgesamt 26 Gräserarten beobachtet. Maisstroh überträgt auch HTR.

Der Pilz überdauert auf Stoppelresten an der Bodenoberfläche. Schon im März reifen in kleinen schwarzen Fruchtkörpern (Pseudothezien), die ab September/Oktober angelegt wurden, die Ascosporen. Die Sporenbildung setzt sich bis Ende Mai fort und erreicht ihren Höhepunkt Mitte/Ende April. Zum Ausstoßen der Sporen ist Feuchtigkeit erforderlich, schon nächtlicher Tau reicht aus. Primärinfektionen durch Ascosporen sind ausschließlich bei Weizenvorfrucht möglich, da sie nur über wenige Dezimeter verbreitet werden. Nach dem Entleeren der Pseudothezien werden auf der Fruchtkörperwand auch Konidiosporen gebildet. Für die sekundäre Ausbreitung im Bestand und über größere Entfernungen sind die windverbreiteten Konidiosporen verantwortlich, die bis 3,5 m Höhe nachgewiesen wurden.

Das Myzelwachstum ist in einem breiten Temperaturbereich von 5 - 36°C möglich, die Ausbildung der Konidiosporen erfolgt ab 10 °C. Eine epidemische Vermehrung des Erregers setzt eine zeitliche Abfolge unterschiedlicher Feuchtebedingungen bei Temperaturen möglichst über 20 °C voraus: Die Ausbildung der Sporenträger erfordert tagsüber Regenschauer, die Sporenbildung folgt dann bei feuchtwarmer Nacht, während die Sporenverbreitung durch Wind an warmen, trockenen Tagen geschieht. Warme, wechselfeuchte Witterung mit ausreichender Taubildung begünstigt die HTR-Ausbreitung.

Blattdürre